Unser heutiger Gastkommentar stammt von underdog, einem Burggräfler Rhetorikwunder, der mit seinen spitzfindigen Kommentaren im Sonice-Forum so manchen Südtiroler Eishockeyfan zum Verzweifeln bringt. Viel Spaß beim Lesen und Verstehen!

Von einer Gruppe Hockeyverrückten kollektiv als unsympathisch, unangepasst oder unausstehlich eingestuft zu werden hat über die Zeit hinweg psychologische Stigmata hinterlassen. Allerdings hat man aus der Perspektive einer Randgruppe oftmals einen besseren Blick auf die Dinge, schätzt sie besser ein, schafft es vielleicht sogar sich eine eigenständige Meinung über all das zu bilden, was man sieht, hört und erlebt.

Nicht nur die soziale Ausgrenzung in den Hockeyforen und Blogs des world wide web hat Stigmata hinterlassen. Auch mein blinder Glaube und meine unsterbliche (Hass-) Liebe zu dem Sport der uns alle, auf so wunderbare Art und Weise verbindet und gleichzeitig in diametral entgegengesetzte ideologische Lager spaltet . Die Wundmale beginnen langsam zu heilen, sie sind kaum noch wahrnehmbar. Die Verbindung beginnt zu schwinden, die Liebe beginnt zu erlöschen. Als Eishockeyfan hier im Burggrafenamt -und nicht nur hier- wurde einem von Verantwortlichen und Möchtegern-Machern sowie Pseudomanagern in den letzten paar Jahren so einiges zugemutet.

So habe ich durch schmerzlichste Erfahrungen selbst herausfinden müssen, was die Inschrift bedeuten sollte, welche am alten Eisstadion beim Nebeneingang (wo der Hofer Andrè steht, für die Patrioten unter euch) angebracht war:

Durch mich geht man hinein zur Stadt der Trauer,

Durch mich geht man hinein zum ewigen Schmerze,

Durch mich geht man zu dem verlornen Volke.

Gerechtigkeit trieb meinen hohen Schöpfer,

Geschaffen haben mich die Allmacht Gottes,

Die höchste Weisheit und die erste Liebe

Vor mir ist kein Geschaffen Ding gewesen,

Nur ewiges, und ich muss ewig dauern.

Lasst jede Hoffnung wenn ihr eintretet.

Wahrscheinlich hätte ich den letzten Satz nicht nur überfliegen sollen, sondern mir in Lettern auf den Unterarm brennen lassen. All die Jahre seit diesem Tag war ich jedesmal dabei, wenn die Schläger gekreuzt wurden. Zu Hause und Auswärts wenn möglich (und oft war ich dabei auch wenn es gar nicht möglich war). Bei jedem Wetter, bei jeder Stimmungslage und trotz jeder Ex-Freundin.

Ein Familie waren wir. Eine überschaubare, aber eingeschworene Familie, die jedesmal zusammen kam, um das Ritual Eishockey zu zelebrieren und sich nach dem Genuss einiger Forst Biere ab Schlusspfiff wieder aufzulösen. Diese Familie gibt es nicht mehr. Sie ist zerbrochen an den Enttäuschungen, an den immer wiederkehrenden Fehlentscheidungen und Fehleinkäufen, an leeren Versprechungen und dem vorgespielten Glauben in die eigene Jugendarbeit, den es de facto zu keinem Zeitpunkt gab.

Lange haben ich und viele andere wie ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass irgendwann der Wendepunkt da sein würde. Doch er kam nicht. Und unter gegeben Voraussetzungen wird er auch nicht kommen. Nicht solange sich nicht etwas Substantielles ändert, nicht solange die üblichen Verdächtigen die Fäden ziehen und den Karren von Jahr zu Jahr tiefer in den Dreck fahren.

Die Zeiten der großen Einkäufe sind vorüber. Die Zeiten der großen Präsidenten sind vorüber. Die Zeiten der großen Zuschauermengen sind vorüber, die in die Eisstadien strömen, ohne dass ihnen etwas Besonderes geboten wird. Wobei ich mich zu bezweifeln wage, dass es diese Zeiten jemals gegeben hat. Es muss endlich in die Köpfe der Verantwortlichen hinein, dass die besten Investitionen jene in das Coaching, das Management und die Jugendarbeit sind.

Die kurze Fata Morgana namens Bruno Aegerter hat einen möglichen Weg aufgezeigt. Leider ist unser kleines, von so hohen Bergen umschlossenes Land scheinbar hierfür noch nicht bereit. Sollte es so weitergehen, wird es in einigen Jahren kein Eishockey in Südtirol mehr geben, so wie wir es kennen. Die Liga wird zu einer dahin dümpelnden Landesmeisterschaft verfallen sein. Die Stadien werden leer sein, und die einst Verliebten werden zu Hause vor ihren LCD Fernsehern sitzen.

Es ist allerdings nicht alles schlecht. Es gibt sie, die Oasen. Es gibt sie, die Menschen die versuchen unseren geliebten Sport zu retten. Ich wünsche mir oft, dass es überall den Tatendrang gäbe, den es im Pustertal gibt, trotz der sportlich oft durchwachsenen Ergebnisse. Im Rienzstadion erlebt man Eishockey, so wie man es sonst nirgendwo in Italien erlebt. Vielleicht werde ich auch heute wieder den letzten Satz der Inschrift überfliegen, und das Fünkchen Hoffnung weiter in mir tragen.

In Liebe

underdog