Der heutige Gastkommentar stammt von Gianpaolo aus Meran, einem ausgesprochenen Kenner der italienischen Eishockeyszene und Moderator auf Sonice.

Ich kann es kaum glaubenes gab Jahre wo ich bei allen Heimspielen und bei den meisten Auswärtsspielen dabei war, aber von meinem HC Meran habe ich heuer nur knapp 20 Minuten miterlebt und das nur weil der Eismeister mich gefragt hat ob ich mal nach der Partie ein Bier mit ihm trinken gehe.
Das Bild, welches ich vom aktuellen Zustand des HC Meran habe, ist erschreckend. Auf dem Eis steht eine Mannschaft ohne jegliches Spielsystem. Trotzdem gibt es ein paar junge Spieler mit A1-Potential, die der Trainer leider nicht fördert – viel Eiszeit, aber wenig Weiterentwicklung.
Auf der Tribüne der Meranarena herrscht Ebbe, außer ein paar übrig gebliebenen HCM-Fanatikern, die ihrem Verein (noch) die Treue halten.
Warum ist es bloß so weit gekommen? Zurück in die Vergangenheit: April 1999, Eiswelle Bozen. 3000 mitgereiste Meraner Fans, das goldene Tor von Jari Torkki und der zweite Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Was folgt sind Chaos-Jahre. Im Juni klagt man über die bevorstehenden finanziellen Sorgen, welche die Meisterschaftsteilnahme in Gefahr bringen, Ende August wird dann trotzdem eine sauteure Mannschaft zusammengestellt, welche später total versagt.
Im Umfeld stimmt vieles nichtder Trainer wird entlassen oder wirft selbst das Handtuch, die neuen Ausländer schlagen nicht ein (Ausnahmen sind da Harder, Zalapski und Hinks). Die Zuschauerzahlen werden Jahr für Jahr schlechter. Der freiwillige Abstieg im Sommer 2004 wird von den wenigen übrig gebliebenen Fans als eine Art Neuanfang gesehen.
Mit jungen, willigen und motivierten Spielern besteht die Möglichkeit bald wieder angreifen zu können. Das denken jedenfalls die Optimisten.
Von den U19-Spielern können leider nur Thomas Tragust und Andreas Lutz wirklich überzeugen, die anderen weisen zu viele Defizite auf.
Nach zwei Vizemeistertiteln in der A2 folgt die große Illusion: der Schweizer Bruno Aegerter kommt als Trainer und es wird offiziell über eine mögliche Rückkehr ins italienische Oberhaus geredet. Ein Durchmarsch mit einer unglaublichen Siegesserie lässt Gutes verheißen, aber bereits nach wenigen Wochen spricht niemand mehr von einem Aufstieg. Die Einigung zwischen Aegerter und dem NLB-Club HC Martigny gibt ein klares Signal und wenige Monate nach dem Titelgewinn wird der Verzicht auf die A1 mitgeteilt.
In der Meraner Fangemeinde macht sich eine große Enttäuschung breit.
Man hatte dem Vorstand viele Fehler verziehen, doch auf einmal gingen die Lichter aus: nicht nur der Verbleib in der A2, sondern auch die Planlosigkeit und Unprofessionalität mit der manche Dinge angegangen wurden, machen die Fans wütend.
Wo sind die Leute, die früher bei jedem Spiel in der Meranarena anwesend waren???
Die Eishockeyverrückten fahren nun lieber nach Bozen, Klobenstein oder Bruneck. Viele andere sehen sich jetzt lieber Fußballspiele an. Das absolute sportliche Highlight bleibt für die Stadt ein Derby, aber anstatt HC Meran gegen HC Bozen heißt es nun FC Meran gegen FC Obermais.
Gibt es in Meran trotzdem eine Zukunft für unseren Lieblingssport? Angeblich bekunden einige Unternehmer Interesse, allerdings hat man schon zu viele Fans und zu viel an Glaubwürdigkeit verloren. Sollte jemand versuchen wollen, das Eishockey in der Passerstadt zu retten, dann wünsche ich ihm viel Glückleicht wird er es nicht haben.