von Beat Pinggeli aus Davos

Die Finalserie in der ersten italienischen Eishockeyliga hat gerade erst begonnen und beinahe ist sie schon wieder zu Ende. Auf der Suche nach den Gründen für das drohende vorzeitige Ende dieser Serie habe ich einige interessante Entdeckungen gemacht. Des Rätsel’s Lösung liegt wohl in der Analyse von 5 grundlegenden Dingen.

1. WO IST DAVID LING??? Das Alpha-Tier der Vorrunde ist in der Finalserie komplett von der Bildfläche verschwunden. Am vergangenen Donnerstag hätte man ihn eher zwei Kanäle weiter bei der Vemisstensendung „Chi l’ha visto?“ als auf Raisport vermutet. Und auch am Samstag in Bozen blieb er ein Schatten seiner selbst. Wo ist der Assistkönig, Antreiber und Provokateur par excellence der Vorrunde geblieben? 40% David Ling reichen nicht zum Meistertitel, denn 40% David Ling bedeuten 40% Giulio Scandella und 40% Max Oberrauch und das ist gegen einen HC Bozen zu wenig! Er muss schnellstens zum Jean Pierre Dumont des HCP werden, bevor es zu spät ist. WE NEED 100% DAVID LING!!

2. WIE BESIEGT MAN MATT ZABA??? Matt Zaba ist kein großer Tormann, aber er ist ein guter Tormann, weil er gemerkt hat, dass er sich auf seine Vorderleute verlassen kann und er hat gemerkt, dass die Pusterer ihm meistens in den Fanghandschuh schießen. Ähnlich wie Achilles ist auch Matt Zaba verwundbar. Nur wusste der schlaue Paris bei den alten Griechen früher, dass man den Achilles nicht mit ein paar Schlägen auf den Kopf bezwingen konnte. Die Achillesferse des Matt Zaba ist seine Schlagseite. Und genau dorthin sollten die „Puschtra Eishockeygötter“ ihre Pfeile abschießen. Bisher verstanden hat dies offensichtlich nur Max „Paris“ Oberrauch.

3. WARUM SPIELT DER HCP HELICOPTER-HOCKEY??? Das vom SC Bern unter Coach Larry Huras propagierte und früher vom Ex-Pusterer Rick Bragnalo in Perfektion praktizierte „Helicopter-Hockey“, also das Kreisen im gegnerischen Drittel, ist nur wirkungsvoll wenn der Puck früher oder später vor dem Tor landet. Wenn ich es allerdings übertreibe, dann gelange ich in eine Endlosschleife ähnlich wie bei Landeanflügen im Schneesturm. Da gibt es dann nur 2 Möglichkeiten. Entweder Rückflug zum nächstgelegenen Flughafen oder Hals über Kopf in den Sturm und hoffen, dass alles gut geht. Fazit: Der Puck muss möglichst schnell vors Tor und da sollte im besten Fall noch ein Mitspieler stehen!

4. WARUM SPIELEN DIE PUSTERER NICHT HART (GENUG)??? In der Schweiz misst man die Härte einer Mannschaft in einer Playoff-Final in BPM (beats per minute = Schläge pro Minute). In Italien misst man sie augenscheinlich in TPH (touches per hour = Streicheleinheiten pro Stunde). Der HC Pustertal hat in den bisherigen zwei Spielen das Wort „Härte“ nicht verinnerlicht. Bozen spielt de facto nur mit 4,5 Verteidigern und da helfen Streicheleinheiten höchstens zur kollektiven Ermunterung. Es heisst doch „Never touch a running system“ und nicht „Never touch your opponent“! Hier würde ich schnellstens einen gemeinsamen Konzertbesuch bei RUN DMC („Hit’em hard!“) empfehlen.

5. WARUM SPRICHT TEPPO KIVELÄ NICHT??? Finnen sind bekannt für ihre Zurückhaltung und für ihre Besonnenheit. Diese ist wichtig in der Vorbereitung, sehr wichtig in der Vorrunde und komplett unwichtig in den Playoffs. Mein Freund, der Davoser Startrainer Arno Del Curto hat einmal gesagt:“In den Playoffs werde ich zum Kannibalen…wer nicht 110% gibt, den fresse ich!“ Nun, man erwartet sich von Teppo Kivelä sicher nicht, dass er einen seiner Spieler verspeist, aber wenn er merkt, dass das Kollektiv nicht auf seine Anweisungen reagiert, dann sollte er ruhig mal auch springen oder aus seiner Haut fahren dürfen. Wenn es soweit ist, dann muss er der Mannschaft ein „klares“ Signal geben, dass sich etwas ändern soll. Hilft es seiner Mannschaft nicht, dann verunsichert er damit zumindest den Gegner.

Die Analyse dieser fünf grundlegenden Dinge scheint sehr einfach und ist es auch. Der HC Pustertal hat mit einem Sieg am Dienstag im 3.Spiel die einmalige Chance, das Blatt zu wenden und sich für die beiden Niederlagen zu rehabilitieren. Sollte dies gelingen, dann ist das „Gelb-Schwarze Wunder von der Rienz“ noch möglich. Als Geheimrezept für weitere 4-5 erfolgreiche Spiele fällt mir ganz spontan das Kürzel der Freiwilligen Feuerwehren ein. FFW = FOCUS, FIGHT & WIN!!! Möge dieser Grundsatz ab sofort gelten. Amen.